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Nachbericht zur Google I/O 2014

In der vorletzten Woche (25. & 26.06.) fand wieder die Entwicklerkonferenz Google I/O in San Francisco statt. Bei dieser stellt Google Neuerungen zu verschiedenen Google-Technologien, wie Android, YouTube und Google Glass vor. Wie im letzten Jahr war ich wieder vor Ort und habe mich über neue APIs, Geräte und Innovationen informiert. In diesem Blog-Beitrag möchte ich die Neuheiten von Google zusammenfassen und bewerten.

Zunächst kurz zu mir. Warum nehme ich den weiten Weg in Kauf, um mich über Technologien aus dem Hause Google zu informieren? Ich organisiere in Bremen die Google Developer Group (GDG), welche es in ähnlichem Format überall auf der Welt gibt, alleine in Deutschland 18 mal. Aufgrund dessen beschäftige ich mich sehr viel mit Google-Technologien, besonders im Bereich Android und Cloud. Auf Arbeit gebe ich bei Fragen zu Google-Technologien gerne Rat und trage hin und wieder auch mal einen Vortrag zu einer neuen Technologie vor. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass einige Teilnehmer zur Google I/O fliegen, um Geräte abzustauben. In der Vergangenheit wurden bei jeder Google I/O verschiedene Geräte verteilt, die einen Wert von mehreren hundert Euro besitzen. Im letzten Jahr erhielt zum Beispiel jeder Teilnehmer ein Chromebook Pixel, welches zu dem Zeitpunkt einen Wert von über 1000$ hatte. Ich möchte mich nicht zu diesen Personen zählen. Mein Hauptanliegen, diese Konferenz zu besuchen, ist der persönliche Austausch mit den Google-Mitarbeitern. Man kann konkrete Fragen stellen und besondere Einblicke in die eine oder andere neue Technologie erhalten. Außerdem trifft man auf der Konferenz viele Personen, die die gleichen Interessen haben und kann sich über typische Fehler, neue Frameworks oder Erfahrungen austauschen. Diesen Kontakt schätze ich sehr, besonders weil sehr viele andere GDG Manager an der Konferenz teilnehmen.

Android, Android und Android

In diesem Jahr hat Google seine Konferenz sehr stark um das Thema Android gestrickt. Android hat sich in den vergangenen Jahren zu dem führenden Betriebssystem auf Smartphones und Tablets entwickelt. Nun wird Google das Betriebssystem auf Uhren, Fernseher und Autos ausweiten.

LG G WatchDie Ausweitung auf die sogenannten Smartwatches war nur sinnvoll. Sony und Samsung haben in den vergangenen 2 Jahren neben verschiedenen weiteren Firmen diverse Uhren herausgebracht. Jeder mit seinem eigenen System oder einem anderen Konzept. Entwickler sehnten sich schon nach einer einheitlichen Platform, mit der mehrere Uhren abgedeckt werden können. Genau diesem Wunsch ist Google mit Android Wear nachgegangen. In den kommenden Monaten wird man mehrere Uhren auf dem Markt sehen, die alle mit Android Wear ausgestattet sind. Zur Google I/O wurde die LG G Watch und die Samsung Gear Live veröffentlicht. Beide Geräte sind im Play Store für knapp 200€ erhältlich. Im späten Sommer soll die Moto360 von Motorola folgen. Diese Uhr wird besonders hingegen gefiebert, da sie nicht mehr das typisch quadratische Aussehen einer Smartwatch besitzt, sondern der runden Form einer typischen Uhr ähnelt. Im Frühjahr wurde bereits eine Developer Preview für das Android Wear SDK veröffentlicht. Darin waren nur die Erweiterungen von Benachrichtigungen auf die Uhr enthalten. Mit der Veröffentlichung der ersten Geräte hat Google nun auch weitere Funktionalitäten, wie Zugriff auf Sensoren, Custom UI und das Senden von Daten zwischen Uhr und Smartphone/Tablet erweitert.

Auch im Wohnzimmer möchte Google sich mit einem auf Android basierenden TV System durchsetzen. Aber gab es sowas nicht schonmal? Richtig! Mit Google TV hat man es schon vor zwei Jahren versucht. Die Set-Top-Boxen wurden größtenteils in USA vertrieben, aber auch in Deutschland hat Sony eine Box verkauft. Google TV ist nie richtig bei den Verbrauchern eingeschlagen. Der Unterschied zwischen Google TV und Android TV besteht nun in der Aufmachung. Google TV war ein Fork von Android der sehr lange auf einer älteren Plattform-Version fest hing. Android TV wird nun durch Dienste realisiert, wodurch kein Fork und vor allem nicht allzu viel Man-Power von Google benötigt wird. Den größten Vorteil wird Android TV durch die Chromecast-Funktionalitäten erhalten. Der HDMI-Stick hat es durch seinen geringen Preis an viele Fernseher geschafft und wird immer bekannter. Die gleichen Funktionalitäten für das Streaming auf Android-TV nutzen zu können, wird die Akzeptanz größer machen. Außerdem beschränkt sich Google bei Android-TV nicht mehr nur auf Set-Top-Boxen, sondern in diversen Geräten soll Android TV auch eingebaut werden. Ich bin optimistisch, dass dieses System ankommen kann, aber das war ich auch damals bei Google TV. Die Zeit wird den Erfolg oder Misserfolg zeigen.

Android AutoAndroid kommt ins Auto. Wooohooo… Nein, jetzt mal ehrlich. Ich kann mir vorstellen, dass das System gut ankommt und vielleicht sogar für Carsharing-Anbieter sehr beliebt wird, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich ein Käufer für ein Auto entscheidet, nur weil es Android Auto besitzt. Deshalb ist es vielleicht auch ganz gut, dass Google schon sehr viele Partner für das System gewonnen hat. Denn nur so kann es erfolgreich werden. Ich bin gespannt, wann ich das erste mal in ein Auto steigen werde, was Android Auto integriert hat.

Ob Wear, TV oder Auto. Alle Systeme bieten Entwicklern neue Möglichkeiten. Neue Geschäftsideen und Apps können geschaffen werden. Für die Hersteller der Uhren, Autos oder Fernseher hat Google allerdings einige Restriktionen eingeführt. Eine Anpassung der Oberfläche, wie man sie auf Smartphones und Tablets bei Samsung, HTC oder Sony sieht, sind auf diesen Plattformen nicht möglich. Auch Aktualisierungen werden nun durch Google gesteuert. Was für den Nutzer ein Segen sein kann, schränkt die Hersteller schon ziemlich ein. 

Android L

Android DekoDie L Version steht vor der Tür. Ob die Version nun Lime Pie, Lollipop oder sonstwie heißen soll, wurde noch nicht verraten, dafür hat Google schon sehr viel Einblick gewährt. Die Veröffentlichung der neuen Android Version ist für Herbst vorgesehen. Dieses Jahr ermöglicht Google aber eine Developer Preview, wie man es auch von Apple bei iOS kennt. Wer möchte, kann also sein Nexus-Gerät mit der Preview von Android L flashen und die Neuheiten ausprobieren. Das Update wird umfangreicher werden. Über 5000 neue APIs wurden eingeführt, wodurch unter anderem persönliche und geschäftliche Daten auf dem Gerät getrennt werden können. Die größte Veränderung für den Nutzer, ist die Einführung von Material Design, welches auch mit Polymer und in der Chrome-App einziehen wird. Material Design wird neue modernere Elementformen und Animationen einführen. Unter der Haube von Android wird nicht mehr auf Dalvik als Runtime gesetzt, sondern auf ART(Android Runtime). Diese könnte in Zukunft ermöglichen, dass Android auch mit anderen Programmiersprachen, wie Dart geschrieben werden kann. Ebenfalls soll mit Projekt Volta eine bessere Akku-Nutzung ermöglicht werden. In der Preview sind schon Verbesserungen von 30% höherer Akkulaufzeit zu erkennen.

Chrome und Chromecast

Zu dem zweiten großen Betriebssystem von Google gibt es auch Neuigkeiten, die mit Android zu tun haben. Chrome OS wird eine stärkere Verknüpfung mit Android erhalten. Zukünftig ist es möglich, dass Android Applikationen auf einem Chromebook laufen. Ich denke hier möchte Google das Chrome Betriebssystem einen zusätzlichen Schub geben, da Applikationen, die über den Chrome Webstore angeboten werden, keinen so großen Erfolg erzielen, wie Apps aus dem Play Store. Für Entwickler bietet dieses neue Möglichkeiten, zum Beispiel, dass sie auf Android APIs über das Chromebook zugreifen können. Natürlich bedeutet dies aber auch mehr Aufwand. Wenn eine App noch nicht für größere Displays, wie z.B. Tablets optimiert wurdn, sollte dies möglichst nachgezogen werden. Allgemein hat man das Gefühl, dass Google seine Betriebssysteme und Geräte näher zusammenbringt. Android rückt näher zu Chrome, Chrome näher zu Android und Chromecast, Android TV, Smartphones und Tablets können immer besser und einfacherer untereinander kommunizieren.

Wie schon kurz erwähnt, ist der HDMI-Stick Chromecast ein riesen Erfolg für Google. Er brachte grundlegende Streaming-Funktionalitäten für wenig Geld auf viele Fernseher. Besonders bei Nicht-Smart-TV Geräten bietet der Chromecast eine billige Lösung das Gerät smarter zu machen. Ich habe in meiner Schrankwand noch einen Google TV stehen und dieser wurde schnell durch den Chromecast verdrängt, da das Streaming von YouTube, Play Music und Play Movies mit dem Chromecast viel schneller und einfacher ging. Der Chromecast erhält nun zusätzliche Funktionalitäten, die diesen noch nützlicher machen sollen. Besonders gefallen hat mir die Möglichkeit, dass nun auch Nutzer außerhalb des Heimnetzwerkes auf das Gerät zugreifen können. Mein Heimnetzwerk Zuhause hat keinen Gastzugang, sondern nur meine Geräte und die meiner Freundin können darauf zugreifen. Gäste können über einen Freifunk-Router das Internet nutzen, haben aber keinen Zugriff auf das Heimnetzwerk. Dadurch waren Spiele (wie Doodlecast) über meinen Chromecast bisher nicht möglich. Google hat nun eine Funktionalität, dass Personen außerhalb des Netzwerkes auf den Chromecast Inhalte bringen können. Um dieses zu realisieren, muss dieser Person Zugang zum Chromecast gegeben werden. Dies kann über einen PIN oder die Autorisierung mittels Ultraschall-Ton realisiert werden. Ja, richtig gelesen: Ultraschall-Ton. Dieser Ton ist für Menschen nicht wahrnehmbar, aber euer Smartphone kann dies wahrnehmen.

Cloud Platform

Wie bereits erwähnt, war Android bei dieser I/O sehr stark vertreten. Ich war sehr froh, dass es auch einige Neuerungen in Googles Cloud Platform gegeben hat. Dieses Gebiet verfolge ich sehr intensiv und benutze es auch regelmäßig in Hobbyprojekten. Google hat gerade in den letzten 2 Jahren sehr viel an der Plattform geschraubt und ein sehr gutes Angebot geschaffen.

Neben dem Platform-as-a-Service (PaaS) Dienst App Engine und dem Infrastructure-as-a-Service (Iaas) Dienst Compute Engine gibt es diverse Speicher-Dienste und verschiedene APIs. Mit der Plattform genießen unter anderem Webseiten und App-Backends Eigenschaften, die man von Google gewohnt ist. Skalierbarkeit und Performance haben in den Diensten einen hohen Stellenwert. Im Frühling hat Google mit Managed VMs ein neues Angebot geschaffen, wodurch man die besten Punkte aus App Engine und Compute Engine verknüpfen kann. Die Nutzung von node.js ist zum Beispiel nicht auf App Engine möglich. Wenn man dieses innerhalb von Cloud Platform einsetzen wollte, musste man Compute Engine einsetzen. Dabei ging aber die Wartungsunterstützung und Skalierbarkeit von App Engine verloren. Mit Managed VMs ist dies nicht mehr der Fall.

Auf der Google I/O wurden noch weitere Dienste vorgestellt, die die Arbeit des Entwicklers unterstützen können. Mit Cloud Monitoring können Performance der Applikation untersucht werden. Bei kritischen Events werden Benachrichtigungen an den Administrator gesendet. Mit Cloud Tracing wird eine Übersicht über das Versionskontrollsystem gegeben und mit Cloud Debugger kann am Produktionssystem debuggt werden. Viele dieser Funktionalitäten sind noch nicht voll ausgereift, aber sie erleichtern das Leben eines Entwicklers schon ziemlich.

Und der Rest?

Das ist also die grobe Zusammenfassung der Google I/O. Aber halt! Was ist mit den anderen Technologien von Google? Google+, Google Drive, YouTube, Dart, Go, Google Glass, etc? Teilweise waren diese auch auf der Google I/O vertreten, aber in diesem Jahr stellte Android schon den Schwerpunkt. Hier noch ein paar Stichpunkte zu den anderen Diensten und Technologien. Leider kann ich keine vollständige Liste bieten, da ich nicht alle Sessions besuchen konnte:

  • Google Drive für Business erhält neue Preise: 8 € pro Nutzer pro Monat für unbeschränkten Speicherplatz.
  • Das Google Glass Explorer Programm weitet sich nun von U.S. auf U.K. aus. Vielleicht erscheint es auch bald in Deutschland.
  • Nest ThermostatNest (wurde kürzlich von Google gekauft) hat eine API veröffentlicht, wodurch ein Zugriff auf ihren Thermostat und Rauchmelder realisiert wird.
  • Google Docs kann nun auch Microsoft Office Dateien bearbeiten ohne eine Umwandlung zu gdocs vornehmen zu müssen.
  • Mit Project Tango ist es möglich das Smartphones und Tablets ihre Umgebung besser wahrnehmen können. Indoor-Navigation und 3D-Scan können dadurch zum Beispiel verbessert werden. Im nächsten Jahr will LG die Technologien in ihren Geräten einbinden.
  • Mit Project Ara wird versucht das Smartphone modular aufzubauen. Wenn dir deine Kamera nicht mehr gefällt, tauscht du sie einfach ohne Aufschrauben des Gerätes aus. Bei der I/O wurde ein erster Prototyp gezeigt. Habe noch nie so viel Beifall für das Starten eines Android-Gerätes erlebt.

Neben diversen Neuheiten wurde die Keynote auch durch zwei Protesten unterbrochen. Ich habe nur die zweite Protestaktion genau mitgekriegt. Da ging es um den Kauf von Boston Dynamics, die sich intensiv mit Robotern beschäftigen. Unabhängig von der Sinnhaftigkeit, für diese Protestaktion 900$ ausgegeben zu haben, möchte ich hier anmerken, dass es immer richtig ist, seine Stimme zu erheben, wenn man der Meinung ist, dass eine Firma, Institution oder Regierung das Falsche tut. Google ist in den letzten Jahren sehr groß geworden. Man findet verschiedene Google-Dienste auf allen möglichen Geräten und auch wenn dies viele Möglichkeiten mit sich bringt, sollte man dies auch immer kritisch betrachten. Google hat sich zwar selbst das Motto “Don’t be evil” gegeben, daran sollte man die Firma aber auch immer erinnern. Denn wenn man neue Innovationen schafft, sollte man mit diesen auch verantwortungsvoll umgehen. Das fängt vor allem beim Datenschutz an. Daran kann Google sicherlich noch arbeiten und es ist die Aufgabe jedes Einzelnen dieses zur Not zu erzwingen.

Ich in Mountain ViewMein Fazit

Für mich war die Google I/O wieder ein schönes Erlebnis. Ich habe mich sehr viel mit Google-Mitarbeitern, GDG Managern und weiteren Teilnehmern der Konferenz ausgetauscht. Google hat wieder so viel Neues veröffentlicht, dass es für mich kaum möglich ist mir alles anzugucken. Meine TODO-Liste ist so gefüllt, dass ich mir für das nächste halbe Jahr keine weiteren Hobby-Projekte suchen muss. Android hat sich zu dem Betriebssystem entwickelt, welches ich in meinem Alltag nicht mehr missen möchte. Und mit Android Wear und TV wird meine Nutzung von Android in Zukunft noch intensiver. 

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